DB-Areal © Pro Natura

Gateway Basel Nord und Hafenbecken 3

Das einzigartige Naturschutzgebiet «Badischer Bahnhof» soll durch den Bau eines neuen Hafenbeckens und eines riesigen Containerterminals (Gateway Basel Nord, GBN) praktisch vollständig zerstört werden.

Das Naturschutzgebiet im alten DB-Areal ist als Objekt im "Inventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung" (TWW) bundesrechtlich geschützt. Genau hier sollen gigantische neue Infrastrukturen für den Containerumschlag gebaut werden: Ein Mega-Containerterminal mit sechs Bahngeleisen, vier LKW-Fahrspuren sowie Containerabstellplätzen inkl. speziellen Gefahrengutplätzen. Dazu kommt ein neues Hafenbecken 1 km vom Rhein entfernt.

Darstellung Lage Hafenbecken 3 und GBN © Kanton Basel-Stadt
Lage des geplanten Hafenbeckens 3 und des neuen Terminals.

Hinter dem Projekt stehen primär die SBB Cargo und das Bundesamt für Verkehr sowie die Schweizerischen Rheinhäfen, Contargo und HUPAC, die durch aktuelles oder ehemaliges SBB-Personal geführt werden und wirtschaftlich eng miteinander verstrickt sind. Offensichtliches Ziel des Gateway Basel Nord ist eigentlich ein riesiges Container-Verteilzentrum (ein "Hub") für SBB Cargo. Ursprünglich wurde das Projekt von denselben Personen als "Gateway Limmattal" im Mittelland geplant, ganz ohne Hafen. Als es 2014 am lokalen Widerstand von Bevölkerung und Behörden scheiterte, wurde es nach Basel verschoben - und mit dem unnötigen neuen Hafenbecken 3 verknüpft, um den Anschein zu erwecken, das Gateway könne aufgrund des Rheins nur hier liegen. Dass das Gateway Basel Nord betrieblich aber gar kein neues Hafenbecken braucht, hat die Führung der Gateway Basel Nord AG wiederholt öffentlich geäussert. Vielmehr geht es darum, dass wegen der Verknüpfung von Strasse, Schiene und Schiff Dreiviertel der Gesamtkosten als Subventionen von Bund und Kanton finanziert werden.

Aber auch der Kanton Basel-Stadt spielt eine wichtige Rolle: Er will primär den bestehenden Hafen verschieben, damit auf jetztigem Hafengelände am Rhein Wohnungen gebaut werden können. Das Gateway bietet einen guten Vorwand, mit einem neuen Hafenbecken 3 das eigentlich viel geeignetere, bestehende Hafenbecken 1 ersetzen zu können.

Unnötiges Grossprojekt mit verheerenden Folgen 

Die dem Projekt zugrunde liegenden Prognosen zur Entwicklung des Containerverkehrs sind völlig übertrieben. Entsprechend sind die geplanten Anlagen massiv überdimensioniert, gehen am tatsächlichen Bedarf völlig vorbei und werden nie rentieren. Das Hafenbecken 3 ist zudem technisch absolut untauglich: Es liegt 1 km landeinwärts und seine Form ist so kompliziert und ineffizient, dass sich viele Schiffsführer weigern, den neuen Hafen zukünftig anzulaufen. Dabei wären die bestehenden Hafenanlagen viel geeigneter und haben noch lange genügend Kapazitäten. Zusammen mit dem Gateway sollen damit mehrere Hundert Millionen Steuergeldern von Bund und Kanton in eine Investitionsruine versenkt werden, die nur dem Aufbau der Monopolstellung der Terminalbetreiber dient.

Die Konzentration fast des gesamten Containerverkehrs in und aus der Schweiz in Kleinhüningen soll fast fünf Mal mehr Container nach Basel bringen. Basierend auf den Zahlen des Projektes brächte dies jährlich rund 125‘000 zusätzliche Lastwagenfahrten - und dies in einer Stadt.

Das Projekt sieht den fast vollständigen Abtrag und anschliessende Versiegelung des Bodens vor. Damit würde das TWW-Objekt komplett zerstört. Die neu vorgestellten Ersatzmassnahmen sind völlig unzureichend. Zusätzlich wird das TWW-Objekt auch noch vom Vierspurausbau der DB-Rheintallinie Karlsruhe-Basel stark betroffen, den Pro Natura Basel aber, im Gegensatz zum Gateway Basel Nord, als tatsächlich von nationalem Interesse und an diesen Standort gebunden erachtet.

Klimaschutz ...

     ... und andere Behauptungen

Glaubt man den Slogans der Projektpromotoren, ist das Gateway Basel Nord und das Hafenbecken die Lösung für die harzende Lastwagenverlagerung auf die Schiene und für die Schweiz essentiell. Einen Faktencheck überstehen die meisten dieser Behauptungen aber nicht. Vorsicht ist zum Beispiel geboten bei folgenden Behauptungen, die alle zentral sind, um das 310 Millionen-Projekt zu rechtfertigen:

  • "Der Basler Hafen hat seine Kapazitätslimiten erreicht." Die öffentlichen Zahlen beweisen das Gegenteil. Während einer Komplettsperre der Zuglinien verarbeitete der Hafen Kleinhüningen allein Monate lang über 50% mehr Container als sonst. Und auch die Containerzahlen nehmen nicht so zu, wie seit vielen Jahren behauptet, im Gegenteil, sie stagnieren.
  • "Der Hafen ist wichtig für Gateway Basel Nord." Wieso wurde das Gateway dann zuerst 12 Jahre im Mittelland geplant?
  • "Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz". Die Behauptung, das Projekt reduziere 100'000 LKW-Fahrten im Jahr beruht auf Berechnungen, die nicht nachvollziehbar sind. Dass hingegen in Basel bei fünf Mal so viel Containern selbst bei den utopischen Annahmen der Projektinitianten rund 125'000 LKW mehr auf die Strasse kommen, kann jeder nachrechnen.
  • und einige mehr.....

Wir haben uns die Mühe gemacht, möglichst sämtliche Daten und Behauptungen der Projekt-Promotoren zu überprüfen und nachzurechnen. Wir präsentieren unsere deutlich anderen Schlussfolgerungen auf der Webseite www.hafenbecken3nein.ch. Die Lektüre lohnt sich!

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